Ich will einen neuen PC kaufen und keiner hilft mir wirklich! Wirklich wahr…

 

Support your local dealer. So lautet die Devise und so bin ich los, die Computerhändler meiner Stadt zu unterstützen. Die Fachmänner hatten jedoch nicht wirklich fachliche Hilfe für mich – und wollten mir auch noch das teuerste Gerät aufschwatzen…Die Mission ist klar und unmissverständlich:
1. Ich möchte einen neuen Desktop Computer.
2. Ich möchte darauf Adobe CS6 nutzen.
3. Der PC soll billig sein, also maximal 600 Euro kosten.

Mit diesen Zielen bin ich also los und habe mich bei ein paar Händler erkundigt.

Zuerst war ich beim Discounterriesen Saturn. Nachdem ich auf der Suche nach Desktoprechnern etliche Runden gedreht hatte, fand ich ein Regal mit fünf Modellen, preislich ab 600,- Euro. Möp! Das war schon mal nichts mit Punkt drei meiner Aufgabenliste. Als ich dann endlich einen vorbeihuschenden Verkäufer abfangen konnte, wurde ich noch mehr enttäuscht. Auf meine Frage, ob das alle Desktopgeräte seien, antwortete er, „Ja, die Kunden wollen keine Desktop PCs haben.“. „Schön blöd sind die“, antwortete ich und ging ohne weitere Umschweife aus dem Laden.

Der zweite Händler war ein PC/HANDY/TELEKOMMUNIKATION Händler. Zunächst geriet ich an einen indischen Verkaufsmitarbeiter, der wissen wollte, was ich mir so vorstellen würde. Nachdem ich ihm meine Missionsziele dargelegt hatte, ging er an einen PC und öffnete die ladeneigene Homepage, klickte auf ein paar Angebote und ließ mir eines für 619,- Euro raus. Möööp! Ist Punkt drei so unrealistisch? Der Rechner hat einen i5 QuadCore, 8GB RAM, 1TB SATA HDD und eine GeForce mit 2 GB RAM.

Ich grummelte ein bisschen vor mich hin und zeigte meinen Unmut über das Angebot. Das rief den Eigentümer auf den Plan. Ein Typ wie ein Versicherungsvertreter, der mir nochmals die gleichen Fragen stellte, wie sein Unterwiesener. Und dann fing er an zu reden und mit jedem Wort machte er mich nur noch wütender. „CS6, ja, das braucht mindestens 12 GB und 4 GB Grafikkarte“, „mein Laptop hat 4 GB RAM und 1 GB Grafik, dass läuft super!“, “ Nein, nein. Meine Tochter benutzt ein Wacom-Tablet für Fotos und so und sie braucht so einen Rechner!“. Nach diesen Worten platzte mir der Kragen. Ich sagte ihm, man könne es auch übertreiben, aber vielleicht will sie ja auch einen Apple haben. Er hielt mir noch vor, dass Profis für solche Geräte mindestens vierstellige Summen zahlen, manche sogar mit einer 4 am Ende (!?). Also verließ ich diesen Laden auch wieder.

Der nächste Händler war etwas versteckt und mitten in Little-Turkey, wie ich zu sagen pflege, dem türkischgeprägten Teil der Stadt. Die Auswahl an neuen Desktoprechner war fast so groß wie die an gebrauchten. Der billigste Neurechner kostete 299,- Euro und war ein i3 mit 4 GB RAM und 2 GB Grafikkarte. Die Festblatte hatte 500 GB. Eigentlich ein schnuckeliges Angebot, aber ich wollte doch etwas mehr Hauptspeicher haben. Mir viel ein Rechner für 399,- Euro ins Auge, der meinen Wünschen entsprach.

Und dann kam der Chef des Ladens zu mir. Ich sagte ihm, dass ich mich für den Rechner interessieren würde, allerdings hätte ich gerne Windows 8.1, statt Windows 7. Oha! Sowas sollte man nicht sagen. Jetzt wurde ich zugetextet, dass Windows 8 echt schlecht sei und nur eine grafische Veränderung von Windows 7. Als ich ihm sagte, dass ich mein Windows 8.1 dank Classic Start Menu und ein paar anderen Tunes auf eine gute Performance gebracht hatte, wollte er mir das nicht glauben. Dann holte er mich zu seinem PC und rief die Homepage seines Ladens auf. Nach ein paar Klicks präsentierte er mir einen Rechner für 699.- Euro und bot mir an, diesen zusammen zu stellen, bis ich das nächste Mal vorbeikommen würde. Ich war vollkommen nüchtern und deshalb verließ ich den Laden wieder.

Zuletzt ging ich in so einen Bastelladen, mit einem Nerd hinter der Theke und einem fast leeren Verkaufsraum. Ich betrachtete ein Gerät mit 60 GB SSD-Speicher, 6 GB RAM und 2 GB Grafikkarte, ohne HDD-Laufwerk, für 399,- Euro. Der Verkäufer fragte mich, was ich mir vorstellen würde und ich nannte ihm kurz meine schlichten drei Wünsche. Er nickte und blieb stumm. Dann sagte er, dass klinge ja ganz gut und da kann er bestimmt was machen. Ich brach in Tränen aus… Leider verwies er mich an einen weiteren Nerd, der diesen Samstag in den Laden kommen würde und die Systeme zusammenstelle. Mit ihm könnte ich mir einen maßgeschneiderten PC zusammenstellen. Das klang schon mal fachmännisch und ich entschied mich, dem Laden am Samstag noch eine Chance zu geben.

Ich bin mal gespannt, ob ich meine Mission noch erfüllen kann. Am Samstag bin ich schlauer.

Zumindest sind die meisten PC-Händler bei mir durchgefallen und wenn das so weiter geht, dann kann ich verstehen, warum jeder Depp ein Tablet oder einen Apple will und warum sich echte Kenner alles selbst zusammenstellen.

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